Stealthing: Was Du zum Thema „unfreiwillig ungeschützter Verkehr“ wissen musst
19.05.2021

Stealthing: unfreiwillig ungeschützter Verkehr

Entfernt ein Mann das Kondom heimlich beim Akt, ist das strafbar.

Wenn Kondomverweigerung gefährliche Züge annimmt: Stealthing

„Ohne ist es doch viel besser!“, „Mein Penis ist viel zu groß für Gummis“ oder auch „Ich habe leider eine Allergie!“ – das sind die bekannten Sprüche, wenn es um das Thema „Kondomverwendung“ geht. Allerdings ist die komplette Liste der Ausreden noch viel Länger und es kommen immer wieder neue Varianten dazu. Der neueste „Trend“ der Kondomverweigerer ist besonders gefährlich und mindestens ebenso verwerflich: das Stealthing.

Denn während man bei einer verbalen Verweigerung einfach vor dem eigentlichen Akt die Reißleine ziehen und sich verabschieden kann, sieht das beim „Stealthing“ ganz anders aus: Hier legt der Mann zwar zunächst das Kondom an, entfernt es dann aber heimlich während des Akts. Genauso perfide: Einige Stealther durchlöchern mitgebrachte Kondome auch vorher mit Nadeln. So kommt es zum ungeschützten Verkehr, obwohl etwas anderes vereinbart wurde.

Menschlich ist Stealthing höchst verwerflich, strafrechtlich äußerst relevant

Stealthing leitet sich vom englischen Wort „stealth“ ab, was so viel wie List oder Heimlichtuerei bedeutet. Und damit ist der perfide Kern dieses heimtückischen Verhaltens eigentlich bestens beschrieben. Denn derdie Sexualpartnerin bekommt nämlich in den meisten Fällen überhaupt nichts vom Stealthing mit – häufig erst nach der Ejakulation, wenn es zu spät ist. Dadurch erfährt der*die Leidtragende nicht nur einen erheblichen Vertrauensbruch und einen extremen Einschnitt in die sexuelle Selbstbestimmung, sondern wird auch Opfer einer Straftat. Gemäß § 177 Abs. 1 StGB handelt es sich beim Stealthing um einen sexuellen Übergriff, der mit einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren geahndet wird.

Was Betroffene bei ungewollt ungeschütztem Verkehr tun sollten

Lass Dich auf keinen Fall auf irgendwelche Ausreden ein! „Ich dachte, Du hättest es bemerkt, dass ich beim Stellungswechsel das Kondom abgezogen habe!“, „Du musst doch gespürt haben, dass es weg war!“ oder auch „Komm schon – Du hattest doch eh keinen Bock auf einen Gummi!“ sind keine akzeptablen Entschuldigungen oder sogar Rechtfertigungen! Niemand darf Dir das Recht auf Safer Sex absprechen und über Deinen Kopf hinweg entscheiden.

Solltest Du ein Opfer von Stealthing geworden sein, dann geh auf jeden Fall zur Polizei. Darüber hinaus solltest Du unbedingt einen Arzt aufsuchen, um die Ansteckung mit einer sexuell übertragbaren Krankheit auszuschließen. Die Pille danach – um eine ungewollte Schwangerschaft zu verhindern – erhältst Du auch ohne Rezept in der Apotheke.

Zusätzlich kannst du dich an folgende kostenlose Hilfetelefone wenden:
- Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen: Nummer 08000 116 016
- Hilfetelefon Gewalt an Männern: Nummer 0800 123 9900

Fazit: Die Entscheidung für Sex ohne Kondom darf niemals von nur einer der am Akt beteiligten Personen getroffen werden. Stealthing ist ein sehr gefährliches Phänomen, das hoffentlich bald wieder verschwindet.